Keine Day-One-Patches, keine Update-Warteschlangen und kein Kontozwang? Der Evercade Nexus setzt voll auf das unkomplizierte Spielgefühl früherer Konsolengenerationen.
Ihr schiebt ein Modul in den Schacht, schaltet das Gerät ein und spielt einfach los. Für knapp 200 Euro bringt der Handheld zwei Analog-Sticks, ein fast 6 Zoll großes Display und vollen Zugriff auf die wachsende Cartridge-Bibliothek mit.
Im Alltag offenbaren sich jedoch kleine Hürden, die bei einem Preis von 200 Euro jedoch verkraftbar sind.
Verarbeitung und Komfort
Der Evercade Nexus kostet gerade einmal 200 Euro, weshalb man nicht die allerbeste Verarbeitung erwarten sollte. Das Gehäuse besteht aus dünnem Kunststoff und wirkt zwar nicht billig, aber auch nicht sonderlich robust. Ihr solltet den Handheld besser nicht fallen lassen.
Die Rückseite ist wie bei einer Nintendo Switch ganz flach, aber eine grobe Texturierung sorgt für etwas besseren Halt. Das Gewicht des Handhelds ist mit 410 Gramm deutlich niedriger als bei Geräten mit ähnlichen Maßen.
Obwohl ausgeprägte Griffe fehlen, empfand ich das Spielen mit dem Evercade Nexus selbst nach mehreren Stunden angenehm.
So habe ich getestet
Ich habe mit dem Evercade Nexus eine Reihe von physischen Spielen und einige der digital versteckten Spiele gespielt. Ich habe ihn außerdem auf Zugfahrten mitgenommen und auch draußen damit gespielt.
Spezifiktionen
Technische Daten: Evercade Nexus
- Gerätetyp: Handheld-Retro-Gaming-Konsole
- Farbe: Schwarz
- Maße & Gewicht: 215 × 111 × 34 mm | 410 g
- Display: 5,89-Zoll-IPS-Panel, 840 × 512 Pixel, 500+ Nits Helligkeit
- Prozessor: Quad-Core mit 1,5 GHz
- Arbeitsspeicher: 512 MB DDR RAM
- Bedienelemente:
- Dual-Analog-Sticks
- D-Pad und Aktionstasten
- Bumper und Trigger auf der Rückseite
- Texturierte Grifffläche an der Rückseite für besseren Halt
- Konnektivität & Audio:
- Wi-Fi 6 (2,4 GHz / 5 GHz für Firmware-Updates)
- Unterstützung für kabellose Kopfhörer
- Lokaler Multiplayer: EverSync-Verbindung (zweiter Evercade Nexus erforderlich)
- Akku: 5.000 mAh (ca. 5+ Stunden Laufzeit)
- Laden: USB-C (Kabel beiliegend; 5V / 2A Netzteil erforderlich, nicht im Lieferumfang)
- Beiliegendes Spielmodul: Banjo-Kazooie Double Pack (inklusive Banjo-Kazooie und Banjo-Tooie)
- Zusatzfunktionen:
- Individualisierbares, beleuchtetes RGB-Logo an der Vorderseite
- TATE-Modus für Arcade-Titel im Hochformat
Preis und Verfügbarkeit
Preis und Verfügbarkeit: Der Evercade Nexus erscheint am 30. Oktober 2026 und ist derzeit vorbestellbar. Der Preis beträgt 199,99 Euro. Dazu gibt es das Banjo Kazooie Doppelpack.
Bildschirm
In der Welt der Steam Decks ist der beim Evercade Nexus verbaute 5,89-Zoll-Bildschirm ungewöhnlich klein, aber nicht in der der Retro-Handhelds.
Die Auflösung beträgt 840 × 512 Pixel, was nicht nach viel klingt, für diese Größe jedoch in Ordnung geht. Spiele sehen auf dem IPS-Panel trotzdem richtig scharf aus und auch Texte sind gut ablesbar. Klassiker wie Banjoo Kazooie sehen richtig schön aus.
Die maximale Helligkeit von 500 Nits ist in Ordnung, aber auch nicht überragend. Bei hellem Tageslicht kann es etwas schwer werden, die Inhalte zu erkennen, da der Bildschirm auch relativ stark spiegelt.
Es handelt sich übrigens auch nicht um einen Touchscreen, was heutzutage auch gar nicht mehr so üblich ist. Das hat dieser Handheld allerdings auch nicht nötig.
Controller
Weil für den Evercade Nexus viele Spiele von unterschiedlichen Plattformen verfügbar sind, muss der Controller dementsprechend universell ausgestattet sein.
Hier findet ihr:
- Dual-Analog-Sticks im symmetrischen Layout
- Ein D-Pad
- ABXY-Tasten im Xbox-Layout
- Start- und Select-Tasten (ja, hier heißen die beiden Tasten sogar noch so)
- Menü- und Tate-Taste (für das Spielen im vertikalen Modus)
- Bumper und digitale Trigger
Ich bin kein Fan vom D-Pad, aber die restlichen Tasten fühlen sich gut und präzise an. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)
Die Tasten haben alle einen präzisen und zufriedenstellenden Druckpunkt. Da habe ich nichts auszusetzen.
Aber: Bei den Analog-Sticks gibt es leider keine driftresistenten Hall-Effekt-Sticks, die meiner Meinung nach der Mindeststandard, selbst bei günstigen Controllern, sein sollten. Wenn Gamepads unter 30 Euro dieses Feature bieten können, dann sollte das auch bei diesem Handheld möglich sein.
Ich hatte in der Praxis kein Problem mit den Sticks, aber es ist unklar, ob das nach langer Nutzung noch der Fall sein wird. Wie sehr das zum Problem werden könnte, ist natürlich stark vom Nutzungsverhalten und der ausgewählten Spiele abhängig – viele Retro-Spiele benötigen die Sticks ja nicht einmal.
Das D-Pad ist bei Retro-Spielen viel wichtiger und das vom Evercade Nexus hat mich nicht überzeugt. Es ist zum Spielen vollkommen in Ordnung, aber die Richtungen fühlen sich sehr schwammig an. Es ist in etwa vergleichbar mit dem D-Pad des Xbox-360-Controllers. Anstatt vier oder acht präzise definierten Richtungen, habt ihr eine große Scheibe.
Gaming
Das Ding mit den Spiel-Modulen: Genau wie in alten Zeiten legt ihr in den Evercade Nexus Spiel-Module ein, die mich ein wenig an die des Game Boy Advance erinnern. Die Spiele können online bei vielen verschiedenen Shops gekauft werden und es gibt eine große Auswahl an alten Konsolen-, Arcade- und PC-Spielen.
Alle Spiele befinden sich in voll spielbarer Form auf den Modulen. Es ist also kein Patch, Update oder sonstiger Download notwendig. Ihr legt einfach das Spiel auf der Rückseite ein und legt los.
Besonders cool: Bei vielen Spielen liegt in der Verpackung ein Booklet mit Anweisungen und Tipps zum Spiel bei – wie in alten Zeiten.
Langsamer Start und fehlender Stand-by: Obwohl das Spielen auf dem Handheld richtig Laune macht, gibt es eine kleine Hürde, die im Alltag nervt. Das Einschalten des Gerätes dauert ziemlich lang; es vergehen etwa 30 Sekunden, bis ich im Hauptmenü bin.
Dazu kommt, dass es derzeit keinen Stand-by-Modus gibt. Möchte ich also eine kurze Pause machen, muss ich das Gerät jedes Mal vollständig ausschalten und später wieder 30 Sekunden lang den Boot-Bildschirm bewundern. Der Hersteller hat jedoch bestätigt, dass dieses Feature per Update nachgereicht werden soll.
Sehr übersichtliches und einfaches Menü: Das Hauptmenü ist sehr einfach aufgebaut und selbst Menschen, die sich nicht sonderlich mit Technik auskennen, werden sich zurechtfinden. Das macht den Evercade Nexus zu einem schönen Geschenk.
Im Hauptmenü könnt ihr …
- … das eingelegte Spielmodul spielen.
- … versteckte Spiele entdecken (dazu gleich mehr).
- … die Evercade-Bibliothek durchforsten (inzwischen gibt es 770 Spiele).
- … das Drahtlos-Menü aufrufen für lokalen Multiplayer mit anderen Evercade-Konsolen.
- … die Einstellungen aufrufen.
Cheat-Codes und versteckte Spiele: Auf dem Handheld sind 11 versteckte Spiele vorinstalliert, die ihr mit Cheat-Codes oder versteckten Tastenkombinationen freischalten könnt. Ich werde sie euch hier nicht verraten, aber ihr findet sie ganz einfach mit einer Google-Suche. Dieses Feature ist zwar eher eine Spielerei, aber eine sehr sympathische, die an Zeiten erinnert, in der praktisch jedes Spiel noch Cheats integriert hatte.
Menü-Taste: Drückt ihr während dem Spielen die Menü-Taste wird das Spiel pausiert und ein Schnellmenü wird eingeblendet. Hierüber könnt ihr das Spiel Schnellspeichern, Schnellladen, das Steuerungsschema ansehen und Anzeigeeinstellungen (Seitenverhältnis, Scanlinien-Filter oder Rahmen) ändern.
Akkulaufzeit und zusätzliche Features
Akku: Im Evercade steckt ein 5.000-mAh-Akku, der für eine Spieldauer von etwa 5 Stunden ausreicht. Das ist kein schlechter Wert, allerdings habe ich von einem Retro-Handheld etwas mehr erwartet, da die meisten Spiele viele Jahre auf dem Buckel haben und nicht sonderlich leistungshungrig sind. Der große Bildschirm fordert seinen Tribut. Aufgeladen wird der Handheld über USB-C, allerdings liegt ein Ladegerät nicht bei.
Wi-Fi 6: Der Handheld verfügt über WLAN, um die Firmware zu aktualisieren. Für Spiele oder andere Funktionen wird die Internetverbindung nicht benötigt.
Audio und Lautsprecher: Es sind zwei nach vorn gerichtete Lautsprecher verbaut, die zwar etwas dünn klingen, aber ordentlich laut werden. Alternativ könnt ihr per 3,5mm-Klinke oder sogar per Bluetooth Kopfhörer verbinden. Letztere Option sorgt allerdings für etwas Latenz beim Spielen.
Beleuchtetes Logo: Das Nexus Logo an der Vorderseite leuchtet und kann in Helligkeit und Farbe angepasst werden.
Solltet ihr euch den Evercade Nexus kaufen?
Der Evercade Nexus ist für euch, wenn …
- … ihr gerne sammelt und physische Spiele euch am Herzen liegen.
- … ihr Retro-Spiele ganz ohne Emulation und vollkommen legal spielen wollt.
- … ihr einen Handheld für echtes Offline-Gaming sucht.
Alternativen:
Evercade EXP-R: Der EXP-R bietet ein ähnliches Gesamtpaket, ist aber ein gutes Stück kompakter. Die Lautsprecher sind dafür nach unten gerichtet, der Bildschirm ist kleiner und es gibt keine Analog-Sticks. Sein Formfaktor eignet sich außerdem etwas besser für das Spielen von vertikalen TATE-Spielen.
Blaze Super Pocket: Ein richtiges Game-Boy-Feeling erhaltet ihr mit dem Blaze Super Pocket, der ebenfalls mit den meisten Evercade-Spielen kompatibel ist. Den Handheld findet ihr ab etwa 50 Euro und er passt sogar in viele Hosentaschen.
Preis-Leistung: Für knapp 200 Euro erhaltet ihr mit dem Evercade Nexus einen schönen Handheld, der als mobile Zentrale für eure physischen Evercade-Spiele dient. Der große Bildschirm lässt Retro-Spiele in neuem Glanz erscheinen und die unterschiedlichen Filter und Anzeigeeinstellungen runden die Retro-Erfahrung schön ab.
Wenn ihr noch auf der Suche nach einem Geschenk seid, selbst Fans von Retro-Spielen seid oder einfach gerne sammelt, dann kann sich der Kauf für 200 Euro definitiv lohnen. So günstige Gaming-Hardware ist in der heutigen Zeit ja nicht selbstverständlich.


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